Fundstück des Monats September 2021


Laut der Bildagentur Paul Popper Ltd. hatte der am Foto gezeigte Mr. Eric Jewell aus London das Schlangestehen an öffentlichen Bushaltestellen mit seinen Kindern derartig satt, dass er ein neuartiges Gefährt für seine fünfköpfige Familie konstruierte: Er montierte seitlich an ein Tandem einen Beiwagen und erweiterte es zusätzlich um einen Sattel, Haltegriffen sowie ein weiteres halbiertes Fahrrad mit fixer Lenkstange. Mit dem "quinticycle" sei die gesamte Familie glücklich.

Die 1934 vom tschechische Fotojournalisten Paul Popper gegründete Bildagentur, bekannt unter dem Namen Popperfoto, bot Zeitungsredaktionen aktuelle Fotos vom internationalen Zeitgeschehen an und lieferte dazu auch Bildtexte. Das gezeigte Foto wurde vom Vorwärts-Verlag angekauft und unter den Schlagwörtern „England, Exzentrik“ abgelegt.

Foto, 15 x 20 cm, Signatur 10/1432

BISHERIGE FUNDSTÜCKE:

Fundstück des Monats August 2021


Nach dem Einmarsch der Sowjets im Dezember 1979 in Afghanistan verlagerten sich die politischen Spannungen zwischen der Sowjetunion und den USA auch auf die Ebene der größten internationalen Sportveranstaltung: Am 12. April 1980 beschloss das Nationale Olympische Komitee der USA, den Olympischen Sommerspielen in Moskau fernzubleiben. In der Folge schlossen sich 60 Länder dem Boykott an. Österreich entschied nach enger Absprache mit den Botschaftern der beiden ebenfalls neutralen Staaten Schweden und Schweiz, sich nicht am Olympia-Boykott zu beteiligen, während der Spiele allerdings auch keine offizielle Vertretung der Republik nach Moskau zu entsenden. Die Entscheidung galt innenpolitisch als umstritten, amerikanische Handelspartner und Exilorganisationen aus den Ostblockstaaten intervenierten vergeblich beim Bundeskanzler.

Am Institut für Byzantinistik und Neogräzistik der Universität Wien hingegen sorgte die Entscheidung zur Teilnahme Österreichs an den Olympischen Spielen in Moskau für Freude: Bei den Verhandlungen über Leihgaben für eine geplante Ausstellung über georgische Kunst wurde von sowjetischer Seite überraschend „grünes Licht“ gegeben.

Brief 1980, 29 x 20 cm, Signatur VII.1 Länderboxen UdSSR, Box 5

Fundstück des Monats Juli 2021


Bruno Kreisky war kein hervorragender Schüler. In Mathematik, Englisch, Französisch, Darstellender Geometrie, Physik, Naturgeschichte, Religion und Freihandzeichnen bekam er in sein Maturazeugnis ein "Genügend", nur in Deutsch, Geschichte und Geographie hatte er ein "Gut". 1929 mussten Gymnasiasten – ähnlich wie heute – eine Art vorwissenschaftliche Arbeit schreiben. Kreisky wählte das Thema "Die Wirtschaftsverhältnisse und ihre Entwicklung in der Republik Österreich" und befragte dazu den damaligen Landwirtschaftskammerdirektor Engelbert Dollfuß, der ihm die Probleme der österreichischen Agrarwirtschaft erläuterte und Literaturhinweise gab. Drei Jahre später wurde Dollfuß Bundeskanzler. "Gewiß, während der Dollfußregierung und später unter Schuschnigg wurde die Diktatur nicht mit derselben Perfektion praktiziert wie unter Hitler", schrieb Kreisky dazu in seinen Memoiren, "aber die Pressefreiheit war verschwunden, die Parteien waren verboten, wer sich gegen das Regime stellte, wurde ins Gefängnis geworfen: all das waren Elemente der Diktatur." 1935 wurde Bruno Kreisky verhaftet und wegen Hochverrats angeklagt. Er verbrachte insgesamt 15 Monate im Gefängnis, wurde von allen österreichischen Hochschulen relegiert und konnte sein Jusstudium erst Anfang 1938 fortsetzen. Am 14. März 1938, zwei Tage nach dem "Anschluß" Österreichs, legte er die letzte Prüfung seines Jusstudiums ab. Tags darauf wurde er von der GESTAPO verhaftet und am 8. August mit der Auflage entlassen, in ein weit entferntes Land zu emigrieren. Kreiskys Promotion wurde erst am 14. März 1988 in einem feierlichen Akt an der Universität Wien nachgeholt.

Maturazeugnis 1929, 27 x 20 cm, Signatur I.1. Box 5

Fundstück des Monats Juni 2021


Anlässlich des 100. Geburtstags von H.C. Artmann zeigen wir einen Brief Bruno Kreiskys an den österreichischen Schriftsteller.
Bruno Kreisky hatte im schwedischen Exil die Landessprache sehr schnell erlernt und hegte Zeit seines Lebens ein besonderes Faible für das Land. Im November 1979 war das schwedische Königspaar Silvia und Carl Gustaf auf Staatsbesuch in Wien. Aus diesem Anlass trug ein Sänger Lieder des schwedischen Nationaldichters Carl Michael Bellman (1740-1795) vor. Kreisky zeigte sich angesichts der Übersetzung ins Deutsche durch H.C. Artmann höchst angetan und teilte dies dem Schriftsteller im Laufe der kommenden Jahre auch mehrfach mit.
Hier eine Kostprobe von Artmanns Übersetzung des Gedichts "Fjärlin vingad syns pa Haga":

"Schmetterlinge taumeln trunken
durch die morgenkühle Au,
Dort wo Blütenkelche prunken
Hell im frischen Glitzertau;
jedes Würmchen auf der Heide
Hat die Sonne wachgekost,
Floras perlendes Geschmeide
Funkelt silbergrün ummost."

Brief, 20x30cm, Signatur: X.3 Prominenten-Korrespondenz, Box 2

Fundstück des Monats Mai 2021


Das Bild zeigt die Gewerkschafterin und Staatssekretärin im Bundesministerium für soziale Verwaltung Gertrude Wondrack (links) und die spätere Wissenschaftsministerin Hertha Firnberg in der Säulenhalle des Parlaments. Die Outfits der beiden Nationalratsabgeordneten waren mit Bedacht gewählt: Sie strahlten aus zeitgenössischer Perspektive einerseits Kompetenz und Seriosität aus und entsprachen gleichzeitig den damaligen Geschlechternormen: Hosen zu tragen, war für Politikerinnen bis in die 1980er Jahre verpönt.

Wir möchten Sie auf unsere überarbeitete website www.erinnerungsort.at aufmerksam machen, die auf neue technische Basis gestellt und um den Abschnitt „‘Sie meinen es politisch!‘ 100 Jahre Frauenwahlrecht“ erweitert wurde.

Fotografie, 24 x 18cm, Signatur 10/1411

Fundstück des Monats April 2021


Die Sommerzeit wurde in Österreich 1979 eingeführt. Durch die Zeitumstellung sollte eine „gewonnene“ Stunde an Sonnenlicht mithelfen, die steigenden Energiekosten zu senken. „Nachdem sich alle westlichen europäischen Staaten für die Sommerzeit entschlossen haben, hatte Österreich gar keine andere Wahl, als diesen Schritt mitzuvollziehen“, antwortete die zuständige Beamtin Dr. Gertraud Frisch am 27. März 1981, und weiter: „Sie haben sicher Verständnis dafür, dass es für ein Land wie Österreich, das so sehr vom Fremdenverkehr lebt, unumgänglich notwendig ist, in der europäischen Normalzeit aufzuscheinen.“

Auch das Argument, dass die Kinder durch die Einführung der Sommerzeit um eine Stunde früher aufstehen müssten, wurde im Stil der damaligen Zeit entkräftet: „Es ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen, dass Kinder mit einem langen Schulweg die ersten paar Tage der Sommerzeit als Härte empfinden, doch sind gerade die Kinder sehr anpassungsfähig und werden sich bald daran gewöhnt haben, abends eine Stunde früher schlafen zu gehen.“

Brief, 20 x 30 cm, Signatur VI.I. Wirtschaft, Box 239, Mappe „Sommerzeit“

Fundstück des Monats März 2021


Ein zentrales Anliegen der damaligen Staatssektretärin für allgemeine Frauenfragen Johanna Dohnal (hier anlässlich eines Betriebsbesuchs in der Fabrik Hammer-Röcke in Rohrbach, Oberösterreich) war die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von Frauen in Billiglohnsektoren wie der Textilindustrie. Trotzdem viele dieser Arbeiterinnen eine abgeschlossene Berufsausbildung hatten, wurden sie gerade in den Fabriken strukturschwacher Gegenden als "angelernte Hilfsarbeiterinnen" angestellt. Erst mit dem Inkrafttreten des Gleichbehandlungsgesetzes in der Privatwirtschaft 1979 wurde begonnen, die sogenannten "Frauenlohngruppen" aus den mit den Gewerkschaften ausverhandelten Kollektivverträgen zu entfernen. Bis dahin bekamen Frauen auch dann, wenn sie die gleiche Arbeit wie Männer leisteten, einen geringeren Stundenlohn als Männer ausbezahlt.

Anlässlich des internationalen Frauentags sendet ORF 2 am 9. März um 22:35 Sabine Derflingers Dokumentarfilm "Die Dohnal" (2019), in dem ihre Mitstreiterinnen zu Wort kommen und in dem zahlreiche Quellen aus unserem Archiv gezeigt werden.

Fotografie 1981 (24 x 18 cm), Signatur JDA Fotoarchiv, Betriebsbesuche 1981/1

Fundstück des Monats Feber 2021


Der „Orden wider den tierischen Ernst“ wird seit 1950 vom Aachener Karnevalsverein an Personen vergeben „die Individualität, Beliebtheit und Mutterwitz in sich vereinen, vor allem aber Humor und Menschlichkeit im Amt bewiesen haben.“ Im Februar 1961 wurde der damalige Außenminister Bruno Kreisky damit ausgezeichnet: Er hatte das Ansuchen der populären Narrengesellschaft, die ehemalige Markgrafenschaft Burgau "während der Narrenzeit in den Verband des österreichischen Mutterlandes, da sie des sogenannten Wirtschaftwunders überdrüssig sei" zurückkehren zu lassen, per Diplomatenpost „mit brillant-witzige Diplomatie pariert." In seiner Antwort an die Faschingsgesellschaft schrieb Kreisky: "Zur Rückkehr in den Verband des Mutterlandes möchte ich Sie aufmerksam machen, dass es auch bei uns ein Wirtschaftwunder gibt, das allerdings, wie es sich gehört, kleiner sein muß als das, unter jenem Sie zu leiden haben. Offenbar scheint dies auf die sprichwörtliche Gabe des Österreichers zum Maßhalten zurückzuführen zu sein, wobei Maßhalten eigentlich ins Österreichische übersetzt ´Krüglhalten´ heißen müsste. (…) leider zwingt mich die gegenwärtige Situation in Wien zu bleiben. Schließlich muß der Außenminister wenigstens zum Fasching in Wien sein." Zur Ordensverleihung reiste Kreisky dann aber trotzdem persönlich an: Sie wurde live im deutschen Fernsehen übertragen.

Fotoalbum, 42x30 cm, Signatur: Fotoalbum Nr. 31

Zur Information für unsere Benutzer und Benutzerinnen:


Das Archiv ist seit 8.2.2021 nach Voranmeldung und Terminvereinbarung wieder geöffnet. Während des Aufenthalts muss eine FFP2-Maske getragen werden.

Fundstück des Monats Jänner 2021



Zu seinem 70. Geburtstag am 22. Jänner 1981 erhielt Bruno Kreisky kistenweise Glückwunschpost aus der Bevölkerung. Der Absender dieses Schreibens, laut Selbstdefinition "Jahrgang 1915 und nach 38 Dienstjahren pensioniert", schrieb: "Ich habe mir als Hobby das Dichten zurechtgelegt und hoffe, dass ich diesem Gedicht meine Verehrung und auch meine Zufriedenheit richtig zum Ausdruck gebracht habe." Die MitarbeiterInnen des Kabinetts waren dazu angehalten, alle Geburtstagsschreiben mit einem kurzen Dankbrief im Namen des Bundeskanzlers zu beantworten und legten den Brief schließlich in einer Mappe mit der Beschriftung "Lustige Karten, mit Dank erledigt 17.2." ab.

Geburtstagsbillet, 10x20cm, Box Geburtstagswünsche 81/82



In der Anti-Atomkraft-Bewegung, die sich ab Mitte der 1970er Jahre formierte, engagierten sich landesweit BürgerInnen verschiedenster politischer Ausrichtungen – von katholischen Müttern bis hin zu maoistischen Splittergruppen war alles dabei –, um die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks in Zwentendorf zu verhindern. Während die Spitzen der SPÖ und der Gewerkschaft mit der Sicherung der Arbeitsplätze und der nationalen Unabhängigkeit von ausländischen Stromimporten argumentierten, befürchteten AtomkraftgegnerInnen vor allem die atomare Verstrahlung im Falle eines Reaktorunglücks. Die Auseinandersetzung wurde sehr heftig geführt, der Frage um die Atomkraft konnte sich niemand entziehen. Durch viele Familien ging ein Bruch, so auch innerhalb jener des amtierenden Bundeskanzlers: Während Bruno Kreisky sein gesamtes politisches Gewicht für die Inbetriebnahme von Zwentendorf in die Waagschale warf, engagierte sich sein Sohn Peter vehement dagegen. Am 12. Juni 1977 zog er zusammen mit 6.000 weiteren KernkraftwerksgegnerInnen anlässlich einer gesamtösterreichischen „Sternfahrt nach Zwentendorf“ von Tulln zum Atomkraftwerk. Letztlich zeigte die Mobilisierung der AtomkraftgegnerInnen Wirkung: Am 5. Novemver 1978 stimmte eine knappe Mehrheit der Wahlberechtigten gegen die Inbetriebnahme Zwentendorfs. Mehr zum Thema finden Sie auf unserem Internetportal Erinnerungsort.

Die gezeigte Anstecknadel stammt aus Peter Kreiskys politischem Nachlass, der heuer dem Archiv übergeben wurde und der gerade aufgearbeitet wird.

Anstecknadel 6x4cm, Signatur: 16/43

Fundstück des Monats November 2020


Während Museen und Kultureinrichtungen geschlossen bleiben müssen, laden wir Sie zu einer Zeitreise ein, die Sie bequem von zuhause aus antreten können. Mit der Online-Edition der Tagebücher von Josef Staribacher, Handelsminister von 1970 bis 1983, steht eine einmalige Quelle zur österreichischen Politik der Kreisky-Jahre digital zu Verfügung. Die Tagebücher bestehen aus 20.000 maschinschriftlichen Manuskriptseiten, die Summe der Diktate Staribachers in sein „Tagebuch“. Unter dem link staribacher.acdh.oeaw.ac.at/index.html können Sie nach bestimmten Tagen, Ereignissen, Personen und Orten suchen.
Unter dem Suchbegriff "Pickerl" (für Aufkleber) finden Sie beispielsweise interessante Einträge zur Ölkrise Ende 1973. Im Zuge von Lieferengpässen war es zu panikartigen Hamsterkäufen von Benzin an österreichischen Tankstellen gekommen. Staribacher verordnete als erste Energiesparmaßnahme Tempolimit 100 auf Autobahnen und einen autofreien Tag pro Woche. Fahrzeuge wurden mit einem „Pickerl“ für den jeweiligen Wochentag auf der Windschutzscheibe gekennzeichnet. Doch Verordnungen haben ihre Tücken. Staribacher diktierte am 28.12.1973: "Als ich mich erkundige, wie weit die Pickerl-Verordnung fertiggestellt wurde, stelle ich zu meiner Verwunderung fest, dass man allen Ernstes mit der Aussendung warten wollte, bis die Verordnung im Bundesgesetzblatt erscheint, was frühestens am 5. Jänner der Fall ist. Ich erkläre (…) dass man unverzüglich die Landesregierungen mit dem Text der Empfehlung vertraut macht und ihnen einleitend eben mitteilt, dass erst im Jänner die Verordnung im Bundesgesetzblatt erscheinen kann. Nur unter diesen Umständen ist nämlich die Gewähr gegeben, dass die Landesregierungen die Vorbereitungen so in Angriff nehmen, dass sie die Ausnahmegenehmigungen bis zum 14.1., wo die Verordnung in Kraft treten sollte, durchführen können. Niemand hat daran gedacht, alle glaubten, es genügt volkommen, wenn eben nach der Verordnungserscheinung im Bundesgesetzblatt schön langsam dann die Landesregierungen mit Fernschreiben oder vielleicht gar durch Brief verständigt werden, dass sie jetzt etwas unternehmen können, ohne dass sie entsprechende Vorbereitungen vorher getroffen haben. Mit Recht hätte dann die Landesregierung kritisiert, dass sie viel zu spät informiert wurden und die zu erwartenden Stauungen bei den Bezirkshauptmannschaften ausschliesslich auf Verschulden des Ministeriums zurückzuführen sind."

In der Online-Edition der Tagebücher wird der maschinschriftliche Originaltext gleichzeitig mit den Scans der Tagebuchseiten dargestellt. Bei dem kürzlich fertiggestellten Projekt, das vom Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank finanziert und in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Austrian Center for Digital Humanities and Cultural Heritage) durchgeführt wurde, war die editorische Arbeit sowie die Erstellung des Personenindex sehr aufwändig.

Fundstück des Monats Oktober 2020


Mit dem Slogan „damit Wien wieder Weltstadt werde“ demonstrierte die SPÖ ihren WählerInnen anlässlich der Gemeinderatswahlen am 17. Oktober 1954 den Willen zur städtebaulichen Modernisierung. Auf dem Sternenhimmel über dem Rathaus erscheinen einerseits als Zukunftsvisionen Hochhäuser sowie futuristisch anmutende, stromlinienförmige Züge und andererseits – als konkret greifbare Leistungen des noch laufenden Wieder- und Neuaufbaus nach dem Krieg – der Ringturm (Baubeginn 1953), die Wiener Stadthalle (Baubeginn 1955) und ein moderner Straßenbahngroßraumwagen (Ersteinsatz 22. Mai 1954). Über alledem schwebt ein Flugzeug, welches über die Stadtgrenzen hinweg den Weg in eine zunehmend international verflochtene Welt weist. Weitere Bauwerke, welche die Entwicklung Wiens zur europäischen Metropole symbolisierten, waren die im nüchternen zeitgenössischen Stil errichteten neuen Bahnhofsgebäude für den West- und Südbahnhof, die unterirdisch verlaufende Opernpassage und die nach dem amtierenden Wiener Bürgermeister Franz Jonas im Volksmund „Jonas-Reindl“ genannte unterirdische Straßenbahnumkehrschleife samt Unterführung am Schottentor. Das Thema „Weltstadt Wien“ sollte im Gemeinderatswahlkampf 1959 von der SPÖ erneut aufgegriffen werden.

Plakat 84x59cm, Signatur: 102/83

Fundstück des Monats September 2020


Der Formel-1-Pilot und mehrfache Grand-Prix-Sieger Jochen Rindt gilt bis heute als herausragende österreichische Sportheldenfigur. Er verkörperte den Typus des lässigen, dynamischen, modernen und weltoffenen jungen Rennfahrers. Bruno Kreisky, der auch junge WählerInnen ansprechen wollte, schickte ihm im Juni 1970 ein Glückwunschtelegramm zu seinem Rennsieg beim Großen Preis der Niederlande, für das sich Rindt umgehend schriftlich bedankte: "Leider war dieser Sieg kein froher, da ich einen meiner besten Freunde (den britischen Rennfahrer Piers Courage) verlor", schrieb Rindt. Auch seinen kurz darauf errungenen Sieg beim Großen Preis von Großbritannien kommentierte Rindt bescheiden und nachdenklich: "Jack Brabham war am Ende des Rennens einfach viel schneller, doch ist ihm ca. 1/2km vor dem Ziel das Benzin ausgegangen." Kreisky lud Rindt daraufhin zu einem Besuch nach Wien ein, dazu kam es jedoch nicht mehr: Vor 50 Jahren, am 5. September 1970, verunglückte Jochen Rindt beim Training zum Großen Preis von Italien in Monza tödlich. Er wurde aufgrund seines Punktevorsprungs posthum zum Formel-1-Weltmeister der Saison 1970 ernannt.

Brief 20x29cm, Signatur: X.3 Prominenten-Korrespondenz, Box 51

Fundstück des Monats August 2020


Aus Anlass des 30. Todestages Bruno Kreiskys am 29. Juli erinnern der Obmann des Bruno-Kreisky-Archivs in der Wiener Rechten Wienzeile, Bürgermeister Dr. Michael Ludwig, und die wissenschaftliche Leiterin, Dr. Maria Mesner, vor allem auf die weitreichenden internationalen Aktivitäten des von 1970 bis 1983 amtierenden Bundeskanzlers. Kreiskys Ziele, die Gesellschaft "mit Demokratie zu durchfluten" und sie gerechter zu machen, beschränkten sich nicht auf Österreich: Kreisky trieb bereits in den1970-er und 1980-er Jahren die europäische Integration voran und hatte globale Zusammenhänge sowie die zunehmende Kluft zwischen Nord und Süd und die sich daraus ergebenden Herausforderungen im Blick. Das Bruno-Kreisky-Archiv, gegründet noch zu Lebzeiten und auf Initiative von Bruno Kreisky, verwahrt Dokumente, Fotos, unpubliziertes Material und andere Spuren von Kreiskys vielfältigen Aktivitäten und stellt sie umfassend, ob digital oder physisch, Interessierten zur Verfügung. Das Archiv-Fundstück des Monats aus diesem Anlass zeigt Bruno Kreisky am 8. Juli 1978 auf einer Pressekonferenz im Wiener Hotel Imperial gemeinsam mit (v. l. n. r.) dem Präsidenten der Sozialistischen Internationale Willy Brandt, Ägyptens Staatspräsident Anwar al Sadat und dem israelischen Vizepräsidenten der Sozialistischen Internationale Shimon Peres im Zusammenhang mit Nahostfriedensgesprächen. Während der Jahre 1974 bis 1976 besuchte eine von Kreisky geleitete Fact-Finding-Mission nahezu alle arabischen Länder sowie Israel, um eine Lösung des Nahostkonflikts zu entwickeln.

Fotografie, 24x19 cm, Signatur: Mappe 52, Nr. 1400, Copyright: Kreisky-Archiv

Fundstück des Monats Juli 2020


Der Sitz des Kreisky-Archivs, das denkmalgeschützte Vorwärts-Haus an der Rechten Wienzeile 97, ist derzeit eine Großbaustelle: Die in Bau befindliche Verlängerungsstrecke der U-Bahn-Linie U2 verläuft direkt unter dem Keller, weshalb die vom Kreisky-Archiv dort untergebrachten Bestände – unter anderem die Geschenke, die Bruno Kreisky im Laufe seiner Kanzlerschaft erhalten hatte – ausgelagert werden mussten. Aus Anlass der nunmehr abgeschlossenen Kellerräumung präsentieren wir Ihnen einen historischen Plan, der einen Teil des früher umfangreicheren Gebäudekomplexes rund um das Vorwärts-Gebäude, links unter der alten Adresse "Wienstraße 89a" eingezeichnet, zeigt. Desweiteren sind der Druckereitrakt (in roter Farbe) sowie unten die Stadtbahn- bzw. heutige U4-Station Pilgramgasse zu erkennen. Frühestens 2027 wird das Vorwärts-Haus auch mit der Linie U2 zu erreichen sein.

Bauplan des Planarchivs der Wiener Baupolizei (MA 37), Signatur: E.Z. 1263

Fundstück des Monats Juni 2020



Als Fundstück des Monats präsentieren wir Ihnen einen Gruß aus dem homeoffice, das beim Aufräumen entdeckt wurde.


Miniaturkalender für die Geldbörse waren ab Mitte des 19. Jahrhunderts sehr populär. Dieser aufwändig gestaltete „Fromme's Wiener Portemonnaie-Kalender" aus dem Jahr 1876 wurde in der Glockengasse im 2. Bezirk gedruckt. Sein Verleger, der ursprünglich aus Hamburg stammende Carl Fromme, erhielt im selben Jahr von Kaiser Franz Joseph I. den Titel eines „k. k. Hofbuchdruckers" verliehen.

Kein Wunder also, dass diesen kleinen Taschenkalender Messingdeckblätter mit einem geprägten Portrait des Kaisers zieren. Im Inneren des Kalenders folgen Fotografien des damaligen Thronfolgers Kronprinz Rudolf und seiner Mutter Elisabeth. Nach den Daten der zu erwartenden Sonnen- und Mondfinsternisse im Schaltjahr 1876 folgen zwölf Blätter mit den jeweiligen Monaten, Wochen- sowie katholischen Feier- und Namenstagen. Die jüdischen Feiertage sind auf einem eigenen Blatt, dem "Kalender der Israeliten" verzeichnet, ebenso wie die Maß- und Gewichtstabellen: „1 Wiener Elle = 0,77558 Meter. 1 Wiener Seidel = 3 Deciliter und 5 Centiliter". Den Abschluss des Kalenders bilden die Termine für die Ziehungen der österreichisch-ungarischen Lotterien sowie eine Stempel-Skala für Postgebühren.

Taschenkalender für das Jahr 1876, Verlag Carl Fromme, Maße 32x48 mm, private Leihgabe Maria Steiner

Fundstück des Monats März 2020


Bruno Kreisky rechts im Bild neben Burgendlands Landeshauptmann Theodor Kery und vier Wahlhelferinnen in damals modernem Outfit, die Werbematerial und Autogrammkarten zur Nationalratswahl am 1. März 1970 verteilten. Bei diesen Wahlreisen besuchte Kreisky auch kleine Dörfer und Gemeinden, um mit den BürgerInnen persönlich ins Gespräch zu kommen. Die SPÖ befand sich seit 1966 in Opposition und trat bei dieser Wahl mit dem Slogan "Wählen Sie das moderne Österreich" an. Vor allem junge Menschen, Frauen und bürgerliche Wählerschichten wurden eingeladen, „ein Stück des Weges“ mit Kreisky zu gehen. Das Konzept ging auf: Die SPÖ erzielte 48,4% der Stimmen und bildete eine Minderheitsregierung, die ein umfangreiches Reformprogramm einleitete. Dabei standen die Verkürzung des Grundwehrdienstes ("6 Monate sind genug!"), Maßnahmen zur rechtlichen Gleichstellung von Frauen und unehelichen Kindern sowie Steuersenkungen für kleine und mittlere Einkommen im Zentrum. Im Oktober 1971 fanden neuerlich Nationalratswahlen statt, bei der die SPÖ die absolute Stimmen- und Mandatsmehrheit erreichte.

Fotografie, 9x13 cm, Signatur: 10/713

Fundstück des Monats Februar 2020


Portrait der sozialdemokratischen Gewerkschafterin und Nationalrätin Anna Boschek.

Die 1874 in Wien geborene Anna Boschek kannte den Arbeitsalltag von Heim- und Fabrikarbeiterinnen aus eigener Erfahrung. 1893 nahm sie als eine von drei weiblichen Delegierten am ersten österreichischen Gewerkschaftskongress teil. Nach der Wahl zur konstituierenden Nationalversammlung am 16. Februar 1919, bei der erstmals Frauen zugelassen waren, zog sie als Abgeordnete in den Nationalrat ein.
Zu diesem Zeitpunkt war die „Dienstbotinnenfrage“ sowohl für christliche Fürsorgeorganisationen als auch für die proletarische Frauenbewegung ein Dauerthema. Die in Wien lebenden Hausgehilfinnen stammten zum Großteil aus Böhmen, Mähren und Ungarn und lebten häufig unter prekären Arbeits- und Wohnbedingungen. Schlecht bezahlt und ohne geregelte Arbeitszeiten, verfügten viele von ihnen nur über provisorische Schlafgelegenheiten im Vorzimmer, in der Küche oder im Bad ihrer jeweiligen Dienstgebenden.

Am 26. Februar 1920 stellten die beiden sozialdemokratischen Abgeordneten Anna Boschek und Adelheid Popp den Antrag zur Schaffung eines Hausgehilfengesetzes. Darin beantragten sie eine gesetzliche Höchstarbeitszeit von 11 Stunden täglich. Dies wurde von den Christlichsozialen und Deutschnationalen abgelehnt. Daraufhin änderte Boschek den Antrag auf eine "gesicherte Ruhezeit von neun Uhr abends bis sechs Uhr früh" sowie "freien Ausgang an jedem zweiten Sonntag von drei Uhr nachmittags bis elf Uhr abends", an dem sich die Angestellten "vom Hause entfernen", sprich ausgehen durften. Zudem musste der Schlafraum von Hauspersonal „in Hinkunft von innen abschliessbar sein" und bezahlter Urlaub gewährt werden. Adelheid Popp bemängelte zurecht, dass eine gesetzlich festgeschriebene Mindestruhezeit von neun Stunden in der Nacht immer noch eine tägliche Arbeitszeit von 15 Stunden bedeute, dennoch galt das Hausgehilfengesetz als "die erste sozialpolitische Frucht des Frauenwahlrechts".

Fotografie, 9x13 cm, Signatur: Sammlung Fotoalben, Einzelbilder B1

Fundstück des Monats Jänner 2020


Bruno Kreisky flüchtete im Herbst 1938 nach Stockholm, wo er zuerst in einer kleinen Pension und dann in verschiedenen Untermietzimmern wohnte. Der Lebensstil und die funktionierende Demokratie in Schweden, das er später als sein „zweites Vaterland“ bezeichnete, sagten ihm sehr zu. Er erlernte schnell die Landessprache und arbeitete als Journalist sowie als Konsulent in der Stockholmer Konsumgenossenschaft. 1942 heiratete er die aus einer Industriellenfamilie stammende gebürtige Schwedin Vera Fürth und zog mit ihr, wie er in seinen Erinnerungen schreibt, in eine "schöne und sehr moderne" Wohnung im Süden Stockholms.

Innerhalb der verschiedenen Exilorganisationen lernte Kreisky führende europäische Sozialdemokraten kennen, darunter auch den späteren deutschen Bundeskanzler Willy Brandt. 1944 wurde Bruno Kreisky zum Obmann der überparteilichen "Österreichischen Vereinigung in Schweden" gewählt. Bei ihren zahlreichen Treffen, die oft in Privatwohnungen stattfanden, schmiedeten sie gemeinsam Pläne für eine neue europäische Nachkriegsordnung.

Am 9. Jänner dieses Jahres wird auf Initiative der schwedischen Gesellschaft für Arbeiterkulturgeschichte an Bruno Kreiskys ehemaligen Wohnhaus in Stockholm in der Blekingegatan 57 eine Gedenktafel enthüllt.

Mitgliedskarte, 9x6 cm, Signatur I.1. Familie, Jugend, Exil, Box 15

Fundstück des Monats Dezember 2019


Der überschwemmte Markusplatz im Dezember 1933: Im Vordergrund ist eine der für Venedig typischen Gondeln mit Gondoliere und vier Fahrgästen zu sehen. Im Hintergrund erkennt man von links nach rechts die einst als Verwaltungsgebäude der Republik dienenden alten Prokuratien, den um das Jahr 1500 errichteten Uhrturm, italienisch "Torre dell'Orologio", weiters die Kirche San Basso und den Palast und die Kathedrale des Patriarchen von Venedig, den im byzantinischen Stil gehaltenen Markusdom.

Die jährliche Überschwemmung des Markusplatzes in Venedig sei an sich „eine Nachricht, die man fast alljährlich irgendwann zu hören bekommt“, schrieb dazu die Illustrierte „Das interessante Blatt“ im Dezember 1933. Ungewöhnlich seien in diesem Jahr jedoch die extremen Minusgrade und die ungewöhnlich lang anhaltende Kälteperiode in ganz Mitteleuropa gewesen: "Denn wenn es auch in Norditalien auch gar nicht so selten schneit, wie man gemeiniglich annimmt, daß die weiße, kalte Masse liegen bleibt, und zwar für Tage, das kommt fast nie vor." Zwar würden die meisten Wohnungen in Venedig über Öfen verfügen, das größere Raumvolumen und die kalten Steinböden erschwerten jedoch das kontinuierliche Halten der Raumtemperatur. Fazit des Artikels: „Heuer haben die Venezianer kaum weniger gefroren als wir, ja in gewissem Sinne sogar mehr, denn da man unten auf große Kälten nicht richtig eingerichtet ist. So interessant für uns so ein Eisbild vom Markusplatz wirkt, so traurig sind so unvorhergesehene Naturereignisse für die Bewohner der alten Lagunenstadt.“

Fotografie, 143x22 cm, Signatur 10/1427

Fundstück des Monats November 2019


Visitenkarte Johanna Dohnals aus dem Jahr 1979.

Nach den Nationalratswahlen 1979 holte Bundeskanzler Kreisky vier neue Staatssekretärinnen in die Regierung, von denen zwei dezidiert für die Belange von Frauen zuständig waren: Franziska Fast für die berufstätige Frau im Sozialministerium und Johanna Dohnal für allgemeine Frauenfragen im Bundeskanzleramt. Mit ihrer Angelobung am 5. November setzte Kreisky ein deutliches Signal: Frauenfragen wurden damit erstmals aus dem Bereich der Familienpolitik herausgelöst und als eigenständiger Politikbereich definiert. Dennoch blieben Frauen in Amtsbezeichnungen und Titeln noch jahrelang sprachlich unsichtbar: Die offizielle Amtsbezeichnung der vier neuen weiblichen Regierungsmitglieder lautete „Staatssekretär“ – was Johanna Dohnal immer störte. Erst durch eine Änderung des Bundesverfassungs- und des Beamtendienstrechtsgesetzes im Jahr 1988, nach der „Amtsbezeichnungen und Titel in jener Form zu verwenden waren, die das Geschlecht der Person zum Ausdruck bringen“, durfte sie sich offiziell „Staatssekretärin“ nennen. Zwei Jahre später wurde Johanna Dohnal die erste Frauenministerin Österreichs.

Visitenkarte, 10 x 5,5 cm, Signatur 16/14

Fundstück des Monats Oktober 2019


In einer Einladung zur Festvorstellung anlässlich des 80. Geburtstags von Regisseur Leopold Lindtberg wies Burgtheaterdirektor Achim Benning ausdrücklich auf die Aufhebung des Vorhangverbots hin. Das Vorhangverbot ging auf ein Statut von Joseph II. aus dem Jahr 1778 zurück. Demnach durften die Ensemblemitglieder des Burgtheaters im Falle von Beifallsbezeugungen des Publikums weder „während des Actes oder nach demselben noch einmal erscheinen, um sich zu bedanken, weil dadurch der Eindruck der darzustellenden Handlung gestört würde.“ Wollte der Kaiser nicht zulassen, dass die SchauspielerInnen womöglich lauter bejubelt wurden als er selbst? Das Vorhangverbot am Wiener Burgtheater blieb jedenfalls über 200 Jahre in Kraft und wurde erst mit Beginn der Saison 1983/1984 vom damaligen Unterrichtsminister Helmut Zilk endgültig abgeschafft.

Interessant an diesem Dokument sind auch die handschriftlichen Notizen der Mitarbeiterinnen Bruno Kreiskys, die über seinen Terminkalender Auskunft geben: Am 1. Juni 1982 fand eine Nationalratssitzung statt, um 18 Uhr war ein Treffen mit Bundeswirtschaftskammerpräsidenten Rudolf Sallinger angesetzt; die anschließende Geburtstagsfeier für Leopold Lindtberg fand im nahegelegen "Glacisbeisl" des damaligen Szenewirts Toni Wagner statt.

Brief, 21x29 cm, Signatur V.1 Kunst, Künstler, Verlag, Kultur allgemein, Box 1, Mappe "Burgtheater"

Fundstück des Monats September 2019


„Austria Foreign Minister Enjoys Iowa Apples“ titelten die US-Zeitungen im September 1962, als Bruno Kreisky im Zuge seiner Amerikareise eine Apfelfarm in Iowa besuchte. Die Äpfel seien ihm vom sowjetischen Ministerpräsidenten Nikita Chruschtschow empfohlen worden, der zwei Jahre vor ihm den Bundesstaat Iowa besucht hatte, witzelte Kreisky bei dieser Gelegenheit gegenüber den Reportern.
Nur zwei Wochen später verschlechterten sich die außenpolitischen Beziehungen zwischen den Supermächten USA und UdSSR dramatisch. Geheime Luftaufnahmen der US-Streitkräfte enthüllten die geplante Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen auf Kuba. Präsident John F. Kennedy drohte, nötigenfalls Atomwaffen einzusetzen. Eine direkte militärische Konfrontation zwischen den beiden Supermächten stand im Raum. Erstmals wurden der breiten Öffentlichkeit die Gefahren eines möglichen Atomkrieges bewusst.

Fotografie, 13x18 cm, Signatur Kreisky Fotoalben Nr. 45

Fundstück des Monats August 2019


An Stelle eines Fundstücks möchten wir Sie auf unsere Ausstellung "´Sie meinen es politisch!´ 100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich" im Wiener Volkskundemuseum hinweisen. Die Ausstellung ist ab 9. November 2019 im Frauenmuseum Hittisau in Vorarlberg zu sehen.

Mit der Gründung der Republik 1918 ging auch die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts ohne Unterschied des Geschlechts einher – ein Meilenstein in der Auseinandersetzung um Gleichberechtigung von Männern und Frauen in Österreich. Doch die politische Partizipation von Frauen blieb umstritten: Das frisch eingeführte Wahlrecht schloss Prostituierte über das Kriterium der Sittlichkeit von der ersten Wahl 1919 aus und die ersten Frauen im Parlament wurden wegen ihrer modernen Bubikopf-Frisuren diskreditiert. Um das bisher unbekannte Wahlverhalten von Frauen beobachten zu können, wurden teilweise verschiedenfarbige Stimmzettelkuverts für Männer und Frauen eingesetzt und statistisch ausgewertet. „Behüte der Himmel! Sie meinen es politisch!“, schrieb Karl Kraus 1907 über die Frauenwahlrechtskämpferinnen. Das Zitat deutet darauf hin, welche Widerstände die Akteurinnen überwinden mussten. Die Ausstellung erlaubt Einblick in die Kämpfe von Frauen um politische Mitbestimmung – von der französischen Revolution über die Erste und Zweite Republik bis hin zu den Auseinandersetzungen in der jüngsten Vergangenheit.

Fundstück des Monats Juli 2019


Netzfahrkarte der Wiener Straßenbahnlinien, die 1929 an die TeilnehmerInnen des dreitägigen internationalen sozialistischen Jugendtreffens ausgegeben wurde.

"Meinen politischen Aufstieg verdanke ich sicherlich zum Teil dem Umstand, dass ich im Frühjahr 1929, nach der Matura, viel Zeit hatte und mich folglich in der Zentrale unserer Jugendorganisation bei der Vorbereitung des Internationalen Jugendtreffens zur Verfügung stellen konnte," schrieb Bruno Kreisky rückblickend in seinen Erinnerungen. Die Organisation des dreitätigen Großereignisses erforderte tatsächlich Geschick: Es wurden 50.000 TeilnehmerInnen aus 18 Nationen erwartet, die großteils mittels Sonderzügen anreisten. Kreisky hatte die Idee, Wiener Mitglieder der Sozialistischen Arbeiterjugend an die österreichische Grenze zu schicken, wo sie die Unterlagen für Veranstaltungen, die gezeigte Netzfahrkarte sowie Formulare für die Unterkünfte bereits in den Zügen austeilen konnten. Für viele der jugendlichen TeilnehmerInnen war das Treffen in Wien die erste Auslandsreise ihres Lebens. Höhepunkte des Jugendtreffens waren ein Sportfest auf der Hohen Warte, ein Fackelzug zum Rathaus und ein Festzug über die Ringstraße und die Hauptallee. Kreisky selbst knüpfte während dieses Treffens zahlreiche Kontakte zu jungen schwedischen, dänischen und deutschen SozialdemokratInnen, die in seiner späteren politischen Arbeit noch nützlich werden sollten.

Derzeit ist im Museum Das Rote Wien im Waschsalon im Karl Marx Hof eine Ausstellung zum 2. internationalen sozialistischen Jugendtreffen unter dem Titel "Heldenplatz '29. Das Rote Wien zwischen Feiern und Faschismus" zu sehen.

Fahrkarte, Größe 7x12 cm, Signatur: Bestand I.1. Familie, Kindheit, Jugend, Exil Box 5

Fundstück des Monats Juni 2019


Von links nach rechts: der österreichische Bundespräsident Rudolf Kirchschläger, Staats- und Parteichef der Sowjetunion Leonid Breschnew, US-Präsident Jimmy Carter, Bundeskanzler Bruno Kreisky.
Das Foto entstand anlässlich der Unterzeichnung der SALT II-Verträge zur nuklearen Abrüstung zwischen den beiden Supermächten am 18. Juni 1979 in der Wiener Hofburg.

Die Strategic Arms Limitation Talks (SALT; deutsch Gespräche zur Begrenzung strategischer Rüstung) zwischen der UdSSR und den USA fanden von 1969 bis 1979 abwechselnd in Wien und Helsinki statt. Mit der Unterzeichnung der SALT II-Verträge (Verträge zur nuklearen Rüstungsbegrenzung) 1979 verpflichteten sich die Supermächte zu beiderseitig gleichen zahlenmäßigen Begrenzungen ihrer nuklear-strategischen Waffensysteme.

Mit der Organisation der SALT II-Konferenz zur Einschränkung des atomaren Wettrüstens festigte Österreich sein Image als Vermittler zwischen den beiden Machtblöcken des Kalten Krieges und Wien seine zentrale Rolle als Sitz internationaler Organisationen und Konferenzstadt. In ihren abschließenden Statements äußerten sich sowohl Breschnew als auch Carter lobend über die Gastfreundschaft Österreichs, das Rahmenprogramm und die Organisation des Gipfeltreffens. Laut Presseberichten nutzten auch die Grinzinger Weinbauern die Gunst der Stunde, um Werbung für österreichischen Wein zu machen: Sie starteten die Aktion "Weinstöcke statt Raketen" und versprachen, beiden Staatsoberhäuptern den Ertrag von je sechs Rebstöcken in Form von Wein per Diplomatenpost zukommen zu lassen.

Fotografie, Größe 25x20 cm, Signatur: Bestand Kreisky-Fotos, Mappe 58, Nr. 2224

Fundstück des Monats Mai 2019


„50 Jahre Wahlrecht“ steht auf der Rückseite eines Abzeichens, das die Form einer Wahlurne hat und am 1. Mai 1957 verteilt wurde. Es erinnert an die Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts im Jahr 1907, das freilich ein unbeschränktes Wahlrecht nur für volljährige männliche Staatsbürger war. Frauen erhielten das Wahlrecht damals noch nicht. Im Gegenteil: Jene Frauen, die als Großgrundbesitzerinnen zuvor – wenn auch zumeist durch Bevollmächtigte vertreten – wählen durften, verloren dieses Recht nun. Die Einführung des Wahlrechts für alle Staatsbürger_innen ungeachtet des Geschlechts wurde erst 1918 beschlossen, also elf Jahre später. An diesen politischen Meilenstein allerdings dachte man in der SPÖ in der Nachkriegszeit wenig – und das, obwohl das Frauenzentralkomitee der Partei unter dem Slogan „Frauenmehrheit verpflichtet“ Frauen mobilisierte und Anlässe wie die Internationalen Frauentage mit Massenaufmärschen begangen wurden.

Signatur: M.70, Größe 2,5cm

Fundstück des Monats April 2019


Die österreichische Friedensbewegung entstand als eine Reaktion auf die internationale Entwicklung des Kalten Krieges, die zunehmende militärische und politische Spannung zwischen Ost und West und die Aufrüstung der USA und der Sowjetunion. Die dadurch auch im neutralen Österreich merkbare Verunsicherung war gekoppelt mit einer grundsätzlich kritischeren Haltung der Bevölkerung gegenüber dem Staat und der Regierung, die auch in der Zwentendorf-Debatte Ende der 1970er-Jahre zum Ausdruck gekommen war. Der Protest richtete sich in erster Linie gegen den NATO-Doppelbeschluss vom 12. Dezember 1979 – die geplante Stationierung neuer atomarer Waffen (Pershing II und Cruise Missiles) in der BRD –, aber auch gegen österreichische Rüstungsexporte an autoritär regierte Staaten. Die Friedensbewegung war in ihrer Zusammensetzung sehr heterogen und wurde von vielen kleineren, regionalen Bürgerinitiativen getragen. Eine von ihnen war „Frauen für den Frieden“, die sich gegen die immensen Rüstungsausgaben der Supermächte wandte und 1982 den „Friedensmarsch '82“ von Berlin nach Wien organisierte.

Auf dem gezeigten Flugblatt aus dem Jahr 1979 ist das Lokal "Hermi" in der Wiener Innenstadt als Treffpunkt der Initiative angegeben. Dessen Betreiberin Hermi Hirsch war eine der zentralen Aktivistinnen der Friedens- und Frauenbewegung und betrieb in der Kumpfgasse 2 ein Künstlercafé, das als Treffpunkt der damaligen Wiener Kulturszene galt.

Signatur: III. 9 Neue Soziale Bewegungen, Friedensbewegung, Frauenbewegung, Box 1

Fundstück des Monats März 2019


Adelheid Popp wurde 1869 in Inzersdorf bei Wien als jüngstes von 15 Kindern geboren und stammte aus sehr ärmlichen Verhältnissen. Sie musste bereits mit zehn Jahren die Schule verlassen, um als Dienstmädchen und später als Heim- und Fabrikarbeiterin zum Familienunterhalt beizutragen. In ihrer Jugend schloss sie sich der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei an und hielt im Alter von 17 Jahren auf einer Parteiversammlung ihre erste Rede über die unerträgliche Situation der Fabriksarbeiterinnen. Schnell wurde sie eine gefragte Vortragende bei Streiks und Versammlungen. Popp holte ihre versäumte Schulbildung nach und wurde Redakteurin der von ihr mitbegründeten Wiener Arbeiterinnen-Zeitung. Mit ihrem 1909 anonym veröffentlichten Bestseller "Die Jugendgeschichte einer Arbeiterin" motivierte sie viele Arbeiterinnen, sich der Sozialdemokratie anzuschließen. Popp kämpfte auch gegen parteiinterne Widerstände gegen die Einführung des Frauenwahlrechts. Am 4. März 1919 war es endlich so weit: Zusammen mit weiteren sieben weiblichen Abgeordneten zog Adelheid Popp ins Parlament ein. 1933 trat sie von ihren Parteifunktionen aus Altersgründen zurück. Die Februarkämpfe 1934 mit dem folgenden Verbot der SDAP und den "Anschluß" Österreichs an das Deutsche Reich vier Jahre später erlebte Popp noch mit, konnte jedoch aus Krankheitsgründen nicht mehr aktiv werden.

Erinnerungsalbum Adelheid Popp, 17x24 cm

Fundstück des Monats Februar 2019


Auf der Fotografie eines Wiener Wahllokals am 16. Februar 1919 ist ganz rechts außen (mit Oberlippenbart) Bruno Kreiskys Onkel Rudolf zu sehen. Als leitender Funktionär der sudentendeutschen Konsumgenossenschaften war er derjenige, der seinen Neffen „eigentlich zur Sozialdemokratie hingeführt hat“, wie Kreisky in seinen Memoiren schrieb.

Bei dieser Wahl zur konstituierenden Nationalversammlung am 16. Februar 1919 durften erstmals Frauen ab einem Wahlalter 20 Jahren ihre Stimme abgeben. Auf dem Foto treten Frauen jeweils als Mitglied der Wahlkommission und als Wählerin in Erscheinung. Ihre Wahlbeteiligung lag bei 82,10%, jene der Männer bei 86,97%. Die Befürchtung der Christlichsozialen, dass die Frauen nicht zur Wahl gehen würden, hatte sich somit nicht bewahrheitet. Gleichfalls als unrichtig hatte sich ihre Vermutung herausgestellt, dass sie eher zur Sozialdemokratie tendieren würden. Prozentuell hatten sich die Frauen deutlich stärker für die Christlichsozialen als die Sozialdemokraten ausgesprochen – ein Trend, der auch für die folgenden Wahlen bis 1930 zutreffend sein sollte. Insgesamt stellten die Frauen bei allen Nationalratswahlen in der Ersten Republik die Mehrheit der Wahlbevölkerung.

Am 7. März 2019 wird zu diesem Thema im Wiener Volkskundemuseum die unter anderen von Mitarbeiter_innen des Kreisky-Archivs kuratierte Ausstellung „‚Sie meinen es politisch!‘, 100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich“ eröffnet.

Fotografie 17 x 13 cm, Signatur: Fotobestand Kreisky Familie I/Mappe Rudolf Kreisky

Fundstück des Monats Jänner 2019


Der Schilfgürtel des Neusiedler Sees bildete sich in seiner heutigen Form ab der Mitte des 19. Jahrhunderts. Seine Fläche beläuft sich gegenwärtig auf etwa 178 Quadratkilometer, was mehr als der Hälfte der Wasseroberfläche entspricht. Der Schilfgürtel dient einer Unzahl von wirbellosen Tieren, Säugetieren und Vögeln als Lebensraum und verbessert durch seine Filterwirkung die Wasserqualität des Sees.

Schilfrohr wird im Burgenland traditionell als Dachdeckmaterial genutzt, eignet sich aber auch als Baustoff für Passivhäuser, da es wasserabweisend, schimmelresistent und dämmend ist. Die Schilfernte findet im Winter statt, wenn der See zugefroren ist. Früher benutzten Schilfschneider, auch Rohrschnitter genannt, für die Ernte Sicheln oder Sensen, später wurden Motorbalkenmäher eingesetzt. Heute gibt es am Neusiedler See noch drei Betriebe, die vom Produkt Schilf leben.

Auf der Rückseite dieses Fotos aus dem Jahr 1940 ist der „Landesverkehrsverband Niederdonau“ als Rechtsinhaber vermerkt. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Österreich in sieben Reichsgaue aufgeteilt. Das nördliche Burgenland (Eisenstadt, Mattersburg, Neusiedl, Oberpullendorf und Rust) wurde in den Reichsgau Niederdonau eingegliedert, der südliche Teil (Güssing, Jennersdorf und Oberwart) wurden dem Reichsgau Steiermark zugeschlagen.

Fotografie, 17x12 cm, Signatur: 10/1102

Fundstück des Monats Dezember 2018


Dieses Foto erschien zu Jahresende 1918 unter dem Titel „Die ersten Friedensweihnachten“ am Titelblatt der Zeitschrift „Das interessante Blatt“. Es zeigt den Eingangsbereich einer Wohnung, in der ein kriegsversehrter Soldat mit Augenbinde von einer Frau per Handschlag begrüßt wird. Der ärmliche Weihnachtsbaum und die leere Kartoffelschütte verweisen auf die damals herrschenden Versorgungsengpässe. Ein Kleinkind hat der Mann auf den Arm genommen, drei weitere Kinder beobachten die Szene interessiert, ein Bub zieht an der rechten Hand der Frau, als ob es sie zurückhalten wollte. Der Untertitel des Bildes lautete: "Weihnachtsfreude einer Wiener Familie, deren Vater als Soldat abgerüstet hat und nach leidensvoller Fahrt zu Frau und Kindern zurückkehrt." In der Geschichte, die im Blattinneren folgte, wurde auch die Entfremdung der Kinder gegenüber dem lange Abwesenden thematisiert: "Der kranke, bärtige Mann sollte der Vater sein?"

Fotografie 13x 17 cm, Signatur: 1/1416

Fundstück des Monats November 2018


Kurz vor der Volksabstimmung zur Inbetriebnahme des Kernkraftwerks am 5. November 1978 schickte der Rechtswissenschaftler und Soziologe Hans Zeisel seinem Jugendfreund Bruno Kreisky einen selbstgezeichneten Plakatentwurf. Darauf wurde Österreich eingerahmt von Ländern dargestellt, in denen bereits Atomreaktoren standen. Die Botschaft „Das können doch nicht lauter Teppen sein!“ sollte die Unentschiedenen dazu bewegen, für die friedliche Nutzung der Atomkraft zu stimmen. Zeisels Plakatidee wurde nicht verwirklicht, die Volksabstimmung ging mit einem knappen "Nein" (50,5% der Stimmen) gegen die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Zwentendorf aus.

Hans Zeisel wurde 1905 in Böhmen geboren und maturierte in Wien. Während des Studiums trat er der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei bei und schrieb Sportreportagen für die „Arbeiter-Zeitung“. Er arbeitete in der „Wirtschaftspsychologischen Beratungsstelle“ und im Projektteam von Paul Lazarsfeld und Marie Jahoda für die Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“. Anschließend war er als Rechtsanwalt tätig. Im März 1938 emigrierte er gemeinsam mit seiner Frau Elsa über London in die USA, wo er als Konsulent und Marktforscher tätig war und an der New School for Social Research in New York lehrte. 1953 übersiedelte er nach Chicago (Illinois), wo er ab 1953 Professor of Statistics, Law and Sociology an der University of Chicago war und 1974 emeritierte. Er starb 1992 in Chicago.

Plakatentwurf, 42x 30 cm, Signatur: X.3 Prominentenkorrespondenz, Box 66

Fundstück des Monats Oktober 2018


Aus Anlass der Freischaltung der Online-Edition der Tagebücher des ehemaligen Handelsministers Josef Staribacher präsentieren wir diese einmalige Quelle zur österreichischen Politik der Kreisky-Jahre. Die Tagebücher bestehen aus 20.000 maschinschriftlichen Manuskriptseiten, die Staribacher zwischen 1970 bis 1983 diktierte. Diese hochinteressante Quelle zur politischen und Wirtschaftsgeschichte der Zweiten Republik wurde vollständig digitalisiert und wird aktuell texterfasst. Unter dem link staribacher.acdh.oeaw.ac.at/index.html können Sie ab sofort nach bestimmten Tagen, Ereignissen, Personen und Orten suchen. Der Originaltext wird dabei gleichzeitig mit den Scans der Tagebuchseiten dargestellt, wodurch jede Unterstreichung und jeder handschriftliche Kommentar des Originals sichtbar ist. Das Projekt wird vom Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank finanziert und in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften durchgeführt.

Fundstück des Monats September 2018



Bruno Kreiskys diplomatische Karriere begann nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Schweden, wohin er 1938 vor den Nationalsozialisten geflüchtet war. Nachdem er sich ab 1945 um die Rückkehr österreichischer Kriegsgefangener und die Organisation von Hilfstransporten gekümmert hatte, wurde Kreisky 1947 der österreichischen Gesandtschaft in Stockholm als Legationssekretär erster Klasse zugeteilt. Damit begann seine umfangreiche Reisetätigkeit, die in der politisch heiklen Besatzungszeit kompliziert und kostspielig war: Ein Ticket der Pan American Airways (Pan Am) von Wien nach Prag kostete, wie unser aktuelles Fundstück des Monats zeigt, 183 Dollar, was heute ungefähr 1.420 Euro entspricht. Da der damalige Flugplatz Wien Aspern in der sowjetischen Besatzungszone lag, starteten die Pan Am-Maschinen am Militärflugplatz Langenlebarn bei Tulln im amerikanischen Sektor.
1951 kehrte Kreisky mit seiner Familie endgültig von Stockholm nach Wien zurück. Zwei Jahre später wurde er zum Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten ernannt. Seine umfangreichen Berichte und Unterlagen aus dieser Zeit können Sie im Kreisky-Archiv einsehen.

Flugticket, 16x9 cm, Signatur: 16/23

Fundstück des Monats August 2018


„Hand in Hand durch Berg und Land“ lautete der Wahlspruch des 1885 in Wien gegründeten „Touristenverein die Naturfreunde“. Der spätere Staatskanzler und Bundespräsident Karl Renner entwarf das Vereinslogo mit drei Alpenrosen und dem Symbol des Handschlags als Zeichen der Solidarität. Ziel der Organisation war es, breiteren Bevölkerungsschicht naturnahe und kostengünstige Freizeit- und Reiseaktivitäten zu ermöglichen. Im Gegensatz zum Alpenverein, dessen Mitglieder einander mit „Berg Heil!“ begrüßten, lautete der Gruß der Naturfreunde „Berg frei!“ Auf Betreiben der Naturfreunde wurde das freie Wegerecht im Bergland nach dem Ersten Weltkrieg gesetzlich verankert. 1934 wurde der Verein in Österreich verboten und sein Vermögen beschlagnahmt. Nach dem Zweiten Weltkrieg widmeten sich die Naturfreunde verstärkt der Jugendbetreuung. Heute zählt der Verein 153.000 Mitglieder, die sich auf 9 Landes- und 460 Ortsgruppen verteilen und 150 Berghütten betreuen.

Fotografie, 13x18 cm, Signatur: 100/30

Fundstück des Monats Juli 2018


Die Massenproduktion von Konsumgütern wurde zu einem Symbol des „Wirtschaftwunders“, wie die unerwartet rasche positive Wirtschaftsentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet wurde. Ermöglicht wurde es durch raschen technischen Fortschritt, sinkende Energiepreise und amerikanische Hilfsprogramme wie das „European Recovery Program“. Die Ernährungs- und Konsumgewohnheiten der Bevölkerung spiegelten die überwundene Krisenzeit und einen wiedergewonnenen bescheidenen Wohlstand: 1947/48 kam es zu einer „Esswelle“, danach zu einer „Bekleidungs- sowie Möblierungswelle“ (1949–1951). Später rückten langlebige Konsumgüter wie Kraftfahrzeuge und Elektrogeräte in den Blickpunkt des KäuferInneninteresses.

Mit den Frauen, die am Schaufenster eines Schuhgeschäfts vorbeigehen, fing der österreichische Fotograf Franz Hubmann (1914–2007) eine typische Alltagsszene ein. Hubmann dokumentierte in der von ihm gegründeten Zeitschrift magnum – die Zeitschrift für das moderne Leben das Alltagsleben in Großstädten wie Wien, Paris, Hamburg oder New York. Sein Durchbruch als Fotojournalist gelang ihm mit einer Fotoserie über das Wiener Café Hawelka.

Fotografie, 25x18 cm, Signatur: 10/820

Fundstück des Monats Juni 2018


Im Juni 1958 wurde das Wiener städtische Kinderfreibad Heiligenstadt, nahe dem Hang der Hohen Warte in Döbling gelegen, eröffnet. Die Besonderheit der Wiener Kinderfreibäder lag darin, dass sie nur an Wochentagen geöffnet hatten und ausschließlich Kindern zwischen sechs und vierzehn Jahren zugänglich waren. Erwachsene hatten keinen Zutritt. Die meisten Kinderfreibäder der Gemeinde Wien wurden in der Ersten Republik errichtet. Mit frischer Luft und Sonnenlicht sollte den damals weit verbreiteten Krankheiten Tuberkulose und Rachitis vorgebeugt werden. Die Kinderfreibäder bildeten einen Eckpfeiler des Bäderkonzepts des "Roten Wien". Sie wurden innerhalb des Stadtgebietes, meist in Parkanlagen, angelegt, um Stadtkindern im Sommer eine unentgeltliche Bademöglichkeit zu verschaffen. Der zunehmende Wohlstand und der Trend, die Sommerferien am Meer zu verbringen, führte in den 1970er Jahren dazu, dass einige Standorte kaum mehr benutzt und aufgelassen wurden. Ab Mitte der 1990er Jahre wurden die meisten Kinderfreibäder in Familienbäder umgebaut, zu denen auch Erwachsene (in Begleitung von Kindern) Zutritt haben. Heute ist Wien im weltweiten Vergleich die Hauptstadt mit den meisten Badeanstalten.

Fotografie, 13x18 cm, Signatur: 10/1050

Fundstück des Monats Mai 2018



Der Wiener Sepp Mair dokumentierte mit seiner Sammlung von Maiabzeichen, die er 1979 an Bundeskanzler Bruno Kreisky sandte, seine Treue zur Sozialdemokratie.

1890 wurde der 1. Mai in vielen Städten der Donaumonarchie erstmals als internationaler „Kampf- und Festtag“ feierlich begangen. Die organisierte Arbeiterschaft forderte eine Reduktion der täglichen Arbeitszeit auf acht Stunden sowie die Einführung des allgemeinen Wahlrechts. Die Aufmärsche wurden von Musikkapellen, Transparenten und roten Fahnen begleitet, rote Nelken und Maiabzeichen putzten die Festtagskleidung auf. 1919 beschloss die Nationalversammlung die Erhebung des 1. Mai zum "allgemeinen Ruhe- und Festtag". In der Ersten Republik entwickelten sich die Maiaufmärsche vor allem im „Roten Wien“ zu machtvollen Demonstrationen der sozialdemokratischen Partei. Die Parteimitglieder, in einzelnen Sektionen organisiert, sammelten sich in ihrem jeweiligen Bezirk und marschierten gemeinsam über den Ring bis zum Rathausplatz, wo die feierliche Schlusskundgebung stattfand. 1933 verbot die Regierung Dollfuß die Straßendemonstrationen und funktionierte den 1. Mai zum "Tag der Verfassung" um. Während des Nationalsozialismus wurde der 1. Mai "Tag der deutschen Arbeit" genannt. Als am Ende des Zweiten Weltkriegs im Westen Österreichs noch gekämpft wurde, kam es im bereits befreiten Wien zu spontanen 1.-Mai-Demonstrationen. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten sich die Maiaufmärsche zu einer Plattform für sozialpolitische Anliegen und zum Forum innenpolitischer Auseinandersetzungen. Bis heute sind Maiabzeichen beliebte Sammlerstücke.

Fahne , 40x35 cm, Signatur: M.70

Fundstück des Monats April 2018

Plakat 1948


Mit diesem Plakat appellierte die Austria Tabak AG 1948 an den österreichischen Patriotismus, um den Schwarzmarkt bei Zigaretten einzudämmen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs nur gegen Lebensmittelmarken und in geringen Mengen legal in Geschäften erhältlich. Neben diesem legalen Markt entwickelte sich ein illegaler Schwarzmarkt, auf dem alle Güter erhältlich waren, allerdings zu stark überhöhten Preisen oder gegen Bezahlung in Zigaretten. Der Schwarzmarkt verschwand erst nach der Währungsreform 1948, als die staatliche Reglementierung abgeschafft und dadurch Marktpreisbildung möglich war.
Die „Österreichische Tabakregie“ wurde 1784 unter Kaiser Joseph II. gegründet und besaß das staatliche Tabakmonopol der Habsburgermonarchie. Es diente unter anderem der Versorgung von Kriegsinvaliden, die bei der Zuteilung von Trafiken bevorzugt wurden. 1864 wurden die ersten Regiezigaretten gedreht. 1898 eröffnete die Tabakfabrik Ottakring, eine der damals zwei Tabakhauptfabriken in Wien. 1911 wurde eine zusammenfassende Verordnung über Besetzung, Neuerrichtung und Auflassung von Tabakwaren-Verschleißgeschäften erlassen, die bis 1949 Grundlage des staatlichen Tabakmonopols war.

Fotografie, 12x18 cm, Signatur: 100/12

Fundstück des Monats März 2018

Flugblatt 1848


Das Flugblatt erschien im Revolutionsjahr 1848 und richtete sich an "Euer Majestät!". In dem vierseitigen Dokument wurde auf Grund der „unläugbaren, unveräußerlichen, angeborenen und unvertilgbaren Rechte des weiblichen Geschlechts" das aktive und passive Wahlrecht für Frauen gefordert. Das Revolutionsjahr 1848 bedeutet den Beginn einer Entwicklung des Wahlrechts in der habsburgischen Monarchie, das auch einigen Frauen ein Stimmrecht einräumte. Bis 1906 war Besitz für das Wahlrecht ausschlaggebend. Steuerzahlende Frauen waren auf Gemeinde- und Landtagsebene u.U. wahlberechtigt. Für die wichtigste politische Körperschaft, den Reichsrat, waren Frauen jedoch nicht wahlberechtigt, außer sie waren Großgrundbesitzerinnen und ließen sich bei der Wahl von einem männlichen Bevollmächtigten vertreten.
Von der Forderung des Flugblattes bis zur Umsetzung des gleichen und allgemeinen aktiven und passiven Wahlrechts für Frauen und Männer auf allen politischen Ebenen sollte es noch 70 Jahre dauern.

Das Originalflugblatt wird ab März 2019 in einer in Kooperation mit dem Kreisky-Archiv kuratierten Ausstellung zum Frauenwahlrecht im Volkskundemuseum Wien zu sehen sein.

Flugblatt 1848, 29x19 cm, Signatur: 5/104

Fundstück des Monats Februar 2018

Illegal gedruckter Streuzettel 1934


Nach dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie 1918 übernahm die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) eine führende Rolle bei der Gründung der Republik. Vor allem in der Bundeshauptstadt Wien und einigen österreichischen Industriegegebieten erhielt sie die absolute Mehrheit und bildete einen erklärten Gegenpol zur konservativ dominierten Bundespolitik.
1924 wurde der Republikanische Schutzbund als paramilitärische, waffenführende Organisation gegründet. Nach blutigen Zusammenstößen mit der rechtsgerichteten Heimwehr radikalisierte sich das innenpolitische Klima. Am 31. März 1933 verbot die Regierung Dollfuß den Republikanischen Schutzbund, es hielten sich jedoch halblegale „Ordnergruppen". Am 12. Februar 1934 kam es in mehreren Industriegebieten und in Wien zum offenen Bürgerkrieg, der insgesamt mehrere hundert Todesopfer forderte. In der Folge wurden die SDAP und sämtliche ihr nahestehenden Organisationen verboten und ihre führenden Funktionäre und Funktionärinnen verhaftet. Zahlreiche Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen setzten ihr politisches Engagement in der Illegalität fort. Dazu gehörte neben der Organisation geheimer Treffen und der finanziellen Unterstützungen der Familien verhafteter Schutzbündler auch das Verteilen kleiner Streuzettel als "Lebenszeichen" der verbotenen Bewegung.
Diese Streuzettel wurden nach dem Verbot der sozialdemokratischen Partei am 12. Februar 1934 heimlich in den Straßen verteilt und auf Litfaßsäulen geklebt.

Aus: Fotosammlung, Streuzettel 1934, 12x4 cm, Signatur: 5/106

Fundstück des Monats spezial zum 107. Geburtstag Bruno Kreiskys Jänner 2018

Heimatschein Bruno Kreiskys


Zum 107. Geburtstag Bruno Kreiskys am 22. Jänner zeigen wir den Heimatschein Bruno Kreiskys, den er vermutlich für seine Inskription an der Universität Wien benötigte und der am 3. Oktober 1929 vom Wiener Magistrat auf den Namen „Kreiski“ ausgestellt wurde.

Der Heimatschein, der in der Habsburgermonarchie ab dem Provisorischen Gemeindegesetz vom 17. März 1849 von den jeweiligen Heimatgemeinden ausgestellt wurde, diente zum Nachweis über den Besitz des Heimatrechtes. Damit verband sich der eventuelle Anspruch auf Armenversorgung durch die Heimatgemeinde. Im Nationalsozialismus wurde der Heimatschein durch den Staatsbürgerschaftsnachweis ersetzt, der auch in der Zweiten Republik beibehalten wurde.

Aus: Bestand I.1. Familie, Kindheit, Jugend, Exil, Box 5

Fundstück des Monats Jänner 2018

Gefängnistagebuch Bruno Kreiskys


1927 war der damals 16-jährige Bruno Kreisky, ein Gymnasiast aus gutem Hause, in die Sozialistische Arbeiterjugend eingetreten. Knapp sieben Jahre später, im Februar 1934, wurde die Sozialdemokratische Partei und ihre Organisationen verboten und der politische Aufstand gegen das autoritäre Dollfuß-Regime blutig niedergeschlagen. Unter den Funktionären machte sich Resignation und Verzweiflung breit: „Das, was ich für meine Welt hielt, war zusammengebrochen“, schrieb der damals 23-jährige Jusstudent rückblickend. Dennoch setzte er seine politische Tätigkeit fort und wurde Gründungsmitglied der „Revolutionären Sozialisten“.

Am 30. Jänner 1935 wurde Kreisky wegen des Verdachts des Hochverrats verhaftet und ins Wiener Polizeigefangenenhaus gebracht. Er musste eine Einzelzelle mit mehreren Häftlingen teilen und litt unter den schlechten hygienischen Bedingungen. Nach fünf Monaten Haft, am 27. Juni 1935, begann Kreisky ein selbstgenähtes Tagebuch zu schreiben. Er betrachtete es als „Begleiter“ für die „kommenden Tage“ der Haftzeit, den er sich aus dem Bedürfnis nach Abstand zum Erlebten, nach Klarheit in einer von Ungewissheit und Repression beherrschten Lage zugelegt hatte. Der „unverbesserliche Optimist“ Kreisky sprach sich in seinen Aufzeichnungen selbst Mut zu, schrieb aufmunternde Gedichte und Listen mit Büchern, die er noch lesen wollte. Außerdem bereitete er seine Verteidigungsrede vor, in der er sich zu den Ideen des Sozialismus bekannte. Am 16. März 1936 wurde Kreisky wegen Hochverrats zu einem Jahr Kerker verurteilt.

Sein Gefängnistagbuch wurde 2009 von Ulrike Felber unter dem Titel „Auch schon eine Vergangenheit“ herausgegeben und kann zum Preis von 15 Euro (11 Euro für Mitglieder) bestellt werden.

Aus: Bestand I.1. Familie, Kindheit, Jugend, Exil, Box 7

Fundstück des Monats Dezember 2017

Gesprächsprotokoll aus den Moskauer Staatsvertragsverhandlungen Mai 1955


Der österreichische Botschafter in Moskau, Norbert Bischoff, hatte im Zuge der Staatsvertragsverhandlungen mit Bundeskanzler Julius Raab, Bruno Kreisky (Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten) und Vizekanzler Adolf Schärf unter anderem auch protokollarische Fragen zu klären.

Aus: VII.2 BKAA (1953-Juni1959) Staatsvertrag Box 2 (Neutralität), Mappe Staatsvertrag Moskau, Mappe „Einfügungen St.S.Dr. Kreiskys“

Fundstück des Monats November 2017

Ehrenbürgerurkunde der Gemeinde Zwentendorf an der Donau für Bundesminister für auswärtige Angelegenheiten Dr. Bruno Kreisky für seine Verdienste um die Wiedererrichtung einer Industrie in der Gemeinde vom 23. April 1961


Bruno Kreisky war dem Land Niederösterreich seit seiner Jugend eng verbunden. Bereits 1930 war er zum Vorsitzenden einer niederösterreichischen Regionalorganisation (Purkersdorf, Klosterneuburg und Tulln) der Sozialistischen Arbeiterjugend gewählt worden. Nach seiner Rückkehr aus dem schwedischen Exil wurde er 1956 wurde er als Nachfolger Oskar Helmers für Niederösterreich nominiert und im Wahlkreis St. Pölten zum Abgeordneten gewählt. 1966 wurde Kreisky Parteiobmann der SPÖ Niederösterreich. In seiner Amtszeit wurde die „Erste Niederösterreichische Raumordnungskonferenz“ in Krems durchgeführt.

Der Bau eines Kernkraftwerkes in Zwentendorf an der Donau wurde im Jahr 1969 von der damaligen ÖVP-Alleinregierung Klaus II. beschlossen. 1972 – Bruno Kreisky regierte zu diesem Zeitpunkt mit absoluter Mehrheit – begannen die Bauarbeiten. Ab 1975 etablierte sich in Österreich eine breite Anti-Atomkraft-Bewegung. Ende 1977 positionierte sich auch die ÖVP, die die Nutzung der Kernenergie grundsätzlich befürwortete, gegen das Kraftwerk Zwentendorf. In dieser Situation entschied der SPÖ-Parteivorstand, dass diese Frage einer Volksabstimmung unterzogen werden sollte, was Atomkraftgegner schon länger gefordert hatten. Im Wahlkampf vor der Abstimmung sprachen sich die SPÖ und die Sozialpartner für die Inbetriebnahme aus, während Anti-Atomkraft-Gruppen und zahlreiche Prominente – darunter auch viele SPÖ-Sympathisanten – gegen die Inbetriebnahme waren und vor den Risiken der Atomkraft warnten. Die Abstimmung fand am 5. November 1978 statt und ging mit einem knappen "Nein" (50,5% der Stimmen) gegen Zwentendorf aus. Im Dezember 1978 wurde im Nationalrat das Atomsperrgesetz beschlossen. Trotz der Zwentendorf-Niederlage blieb Kreiskys Popularität ungebrochen: Bei den Nationalratswahlen 1979 erreichte die SPÖ 51,03% der Stimmen, das beste Ergebnis in der Parteigeschichte.

Fundstück des Monats Oktober 2017

Wandzeitung der SPÖ Nr.512/1990, Signatur 100/212


Mit dem Fundstück des Monats Oktober gratuliert das Kreisky-Archiv Altbundeskanzler Dr. Franz Vranitzky!

Anlässlich des 80. Geburtstags von Altbundeskanzler Dr. Franz Vranitzky am 4. Oktober präsentierten der Obmann des Kreisky-Archivs Stadtrat Dr. Michael Ludwig und die wissenschaftliche Leiterin Univ.-Doz. Dr. Maria Mesner unser „Fundstück des Monats“ Oktober.

Bei der Nationalratswahl am 7. Oktober 1990 warb die SPÖ mit ihrem Spitzenkandidaten, dem amtierenden Bundeskanzler Franz Vranitzky. Die SPÖ konnte mit 42,8 Prozent der abgegebenen Stimmen ihre Mandatszahl halten. Starke Verluste von minus 9,2 Prozentpunkten musste die ÖVP unter Josef Riegler hinnehmen. Von ihren Einbußen profitierte die FPÖ, die mit ihrem Spitzenkandidaten Norbert Gugerbauer 6,9 Prozentpunkte hinzugewann. Die Grüne Alternative schaffte mit 4,8 Prozent und Johannes Voggenhuber erneut den Einzug in den Nationalrat. Die Wahlbeteiligung sank gegenüber der Nationalratswahl 1986 um 5,67 auf 83,58 Prozent.

Das Plakatarchiv des Kreisky-Archivs umfasst rund 2.000 Plakate seit 1945 und ist nach Voranmeldung öffentlich zugänglich. Auf Wunsch werden auch Reproduktionen angefertigt.

Der Vorlass von Altbundeskanzler Dr. Franz Vranitzky wird ebenfalls im Kreisky-Archiv aufbewahrt. Aufgrund des seit 1.1.2000 gültigen Archivgesetzes ist er einer 30-jährigen Archivsperre unterworfen und deshalb nicht öffentlich zugänglich.

Fundstück des Monats September 2017

Puppe in der Ausstellung "Hilfe! Armut in der Vorstadt"


Diese Puppe wurde 1914 einem Ottakringer Arbeiterkind vom "Verein Wiener Settlement" geschenkt.
Neben der Bildungsarbeit konzentrierte sich der Verein auf Kinder- und Jugendfürsorge, leistete aber auch Schwangeren- und Alkoholikerberatung sowie Obdachlosenbetreuung.

2016 war diese Puppe in der vom Kreisky-Archiv kuratierten Ausstellung "Hilfe! Armut in der Vorstadt" im Ottakringer Bezirksmuseum zu sehen. Die Ausstellung war das Endergebnis eines vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft geförderten Sparkling Science-Projekts „Melting Pot!? Sozialräumliche Umstrukturierungsprozesse in Ottakring“. Gemeinsam mit einer Schulklasse des GRG 16 Maroltingergasse wurde über zwei Jahre zur Wiener Vorstadt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geforscht und als Abschluss eine Ausstellung im Bezirksmuseum Ottakring gestaltet.

Kooperationspartner war die Sammlung Frauennachlässe am Institut für Geschichte der Universität Wien und das Bezirksmuseum Ottakring.

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